VERANSTALTUNGEN


Übersicht Forschungs- und Doktorandenkolloquium im WS 2017/18


Das medienwissenschaftliche Forschungskolloquium bietet Promovierenden und Post-Docs die Möglichkeit, ihre aktuellen Promotions- und Forschungsprojekte zu präsentieren und im kollegialen Rahmen zu diskutieren.
Folgende Termine und Vortragende sind für das Wintersemester 2017/18 geplant:
Fr, 12.01., 10:00 - 13:00 Uhr: Florian Goldmann, Natasha Poljakowa
Fr, 02.02., 10:00 - 13:00 Uhr: Zeynep Akbal, Dr. Anke Steinborn, Sibylle Schulz


Ort
ZeM – Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften
Hermann-Elflein-Straße 18
14467 Potsdam


Florian Goldmann (ZeM): Earth Literacy. Kalkulierte Katastrophe
Das künstlerisch-wissenschaftliche Projekt ‚Modeling Catastrophe. Verortung des Maßlosen‘ untersucht den Gebrauch von Modellen zur Darstellung, Rekonstruktion und Vorhersage von Katastrophen. Es basiert auf einer audiovisuellen Materialsammlung, die sowohl physische Miniaturmodelle als auch digitale Visualisierungen und Animationen umfasst.
Der Begriff Katastrophe meint ein unmittelbares Ereignis der Zerstörung, eine Inversion des Status Quo mit weder zu bewältigendem noch vorstellbarem Schadensausmaß, von dem der Mensch - direkt oder indirekt – jedoch grundsätzlich betroffen ist. Bestehende Normen der Wahrnehmung und Darstellung werden aufgehoben und neue Maßstäbe gesetzt. Ein Modell ermöglicht durch Analogiebildung und Idealisierung, Reduktion und Vereinfachung die Darstellung und Vermittlung komplexer Sachverhalte. Ein Katastrophenereignis mit einem Modell zu repräsentieren heißt dem Ereignis entgegen seiner Maßlosigkeit ein Maß zuzuschreiben. Durch die Zuordnung von Koordinaten und messbaren Werten wird es lokalisiert, eingegrenzt und (be-)greifbar. Katastrophenmodelle sind Rekonstruktionen vergangener, Erläuterungen gegenwärtiger sowie Vorhersagen zukünftiger Ereignisse.
Beispiele aus der Materialsammlung reflektierend, werden kontextabhängige Gestaltungsentscheidungen sowie spezifische Codes hervorgehoben. Darüber hinaus wird untersucht, ob sich allgemeingültige Aussagen über sie treffen lassen. Auf einen weit gefassten Medienbegriff gestützt, wird die vermittelnde, epistemische bzw. poietische Funktion von Modellen des Katastrophalen skizziert.
Zwei interaktive Globen, die jeweils Naturgefahren und die auf diese zurückzuführenden Risiken für den Menschen und seine technisierte Umwelt visualisieren, werden einander gegenübergestellt. Im Abgleich der Beispiele aus dem Versicherungskontext und der Risikovisualisierung im Katastrophenmanagement wird deutlich, dass den Darstellungen unterschiedliche Risikobegriffe zugrunde liegen. Es soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich diese divergierenden Auffassungen von Risiko bzw. Katastrophe sowie die sich aus diesen abzuleitenden Vermittlungsabsichten über die Interaktion mit den Globen vermitteln.
Gemeinsam scheint beiden Darstellungen zunächst zu sein, dass sie auf der Universalisierung und Quantifizierung von Erdbeobachtungen und deren Extrapolation basierend argumentieren.

Natasha Poljakowa (ZeM): ‘Harmful pictures’: German films in Soviet distribution in the 1920s
In the academic study of the history of Soviet cinema, considerable attention has been paid to the development of film production. Western scholarship on the 1920s Soviet film culture has largely confined itself to studying Soviet ‘film avant-garde’, marginalising film distribution during the inter-war years. The significance of foreign-film imports for the foundation and development of Soviet cinema has never been the subject of detailed research. In the early 1920s Soviet audiences were given access to hundreds of new foreign films, which provided up to ninety per cent of all Soviet income from film distribution. These works, along with the films inherited from the pre-revolutionary era, constituted the lion’s share of the Soviet Union’s film repertoire. Numerous German, Austrian, French and American films, as well as major productions from Italy, Great Britain and Scandinavia, were made available in metropolitan cinemas. However, from the early 1930s there was no official recognition of the scale and impact of these imports in terms of popularity and box-office takings. My continuing research project seeks to demonstrate that foreign film distribution should be considered the Soviet Union’s most important cinema-related activity in the years of the New Economic Policy (NEP). It for the first time identifies the role of film distribution as the main factor that affected the development of the Soviet film system, determined Soviet censorship policy, and enabled the establishment of international relations in cinema until the early 1930s. The project investigates the reasons why foreign (and, particularly, German) films were imported into the Soviet Union, the mechanisms by which they were distributed, and the decision-making structures that influenced which foreign films were screened, depending on their national origin and genre. Finally, it aims to assess the impact of German films on the Soviet audiences and the evolution of Soviet cinematic practices. By presenting a series of case-studies devoted to foreign films in Soviet distribution, I aim to chart the processes which drove the cultural transfer between the Soviet and German film industries, and to offer new perspectives on the cultural, historical and economic influences on Soviet cinema in the interwar period.


CINEMA FUTURES – Filmvorführung und Workshop


Michael Palm
Termin
Filmvorführung: Do, 25. Januar 2018, ab 19:00 Uhr
Workshop: Fr, 26. Januar 2018, 10:00-15:00 Uhr


Ort
Filmvorführung:
Filmmuseum Potsdam
Breite Str. 1A
14467 Potsdam

Workshop:
WIS im Bildungsforum
Am Kanal 47
14467 Potsdam


MODERATION & ORGANISATION
Prof. Dr. Chris Wahl, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Oliver Hanley, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF


Anmeldung
o.hanley@filmuniversitaet.de


Von einer der namhaftesten Filmerbe-Institutionen, dem Österreichischen Filmmuseum, initiiert, und nach jahrelanger Arbeit im August 2016 auf den großen Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt, ist CINEMA FUTURES der jüngste und wohl signifikanteste in einer Reihe von Dokumentarfilmen der letzten Jahre, die sich zentral mit Themen rund um das audiovisuelle Erbes beschäftigen.

Im Mittelpunkt dieser dritten abendfüllenden Arbeit des österreichischen Filmemachers Michael Palm steht die Frage nach der prekären Lage der Erhaltung von analogem Filmmaterial und dessen digitalen Nachfolgeformaten in der gegenwärtigen Umbruchszeit. In einen einführenden Prolog und sieben Kapitel gegliedert, untersucht der Film mittels einer Kombination von historischen Archivaufnahmen und neu gedrehten Interviews, von einem vom Regisseur selbst eingesprochenen essayistischen Kommentartexts untermalt, den zunehmenden, entscheidenden Einfluss der Digitalisierung auf die Produktion, Verbreitung, Restaurierung und Bewahrung von audiovisuellem Kulturgut. Zu den zahlreichen Interviewpartnern zählen neben prominenten Filmschaffenden wie Martin Scorsese und Christopher Nolan auch Künstler*innen und Wissenschaftler*innen (David Bordwell, Tacita Dean, Tom Gunning) sowie anerkannte Expert*innen aus der Welt der Filmarchive und -museen.

Am 25. und 26. Januar 2018 ist Michael Palm zu Gast in Potsdam. Am 25. Januar wird er anlässlich einer Vorführung von CINEMA FUTURES um 19 Uhr im Filmmuseum Potsdam anwesend sein und nach dem Film für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung stehen. Am Folgetag, dem 26. Januar, hält Palm von 10 bis 15 Uhr einen mehrstündigen Workshop, der zum einen die aufwändige Arbeit an CINEMA FUTURES vertiefen wird und gleichzeitig den Film im Kontext seiner vorherigen Werke behandeln soll, insbesondere anhand seiner essayistischen Studie zu Überwachungsbildern, LOW DEFINITION CONTROL (2011), sowie des „reinen” Dokumentarfilms EDGAR G. ULMER: THE MAN OFF-SCREEN (2004).

Der Eintritt zum Workshop ist frei. Aufgrund beschränkter Raumkapazität wird eine Voranmeldung bis 8. Januar erbeten. Angemeldete Workshop-Teilnehmer*innen bekommen gratis Eintritt zu der Vorstellung von CINEMA FUTURES im Filmmuseum Potsdam.


WEITERE MELDUNGEN


SENSING: Zum Wissen sensibler Medien
Graduiertenkolleg gefördert durch die VolkswagenStiftung

Wir freuen uns, dass dem ZeM durch die Volkswagenstiftung der erste hochschulübergreifende Projektantrag bewilligt wurde!
Sensoren verleihen Dingen und Maschinen die Fähigkeit zu „empfinden“, zu „spüren“, also zu erfassen und zu ermessen. Durch ihre Implementierung in Smartphones, Autos, Kleidung, Haushaltstechnologien, Spielzeug etc. scheinen insbesondere Alltagsgegenstände heute in besonderem Maße mit einem „technischen Empfindungsvermögen“ aufgeladen. Durch die Verbreitung von Sensoren werden Städte und Umgebungen zu einem sensorischen Netzwerk. Interaktionen zwischen Menschen und smarten Maschinen/Umgebungen/Dingen werden heute durch die autonome Interaktion von sensorischen Maschinen ergänzt, unterstützt bzw. kontrolliert. Dabei wird auch die menschliche Sinneswahrnehmung zunehmend technisch erfasst und gesteuert, etwa durch Eyetracking, Bewegungs- und Bildsensoren oder Verfahren der Emotionserkennung.

Das Graduiertenkolleg SENSING: Zum Wissen sensibler Medien führt zu diesem aktuellen Themenfeld eine Gruppe von Promovierenden der Medienwissenschaften zusammen, die in Einzelprojekten Fragen computertechnisch vernetzter Sensorik erforschen. Die Themen und das Format des Graduiertenkollegs sind dabei sowohl auf theoretische, in den Medienwissenschaften relevante Fragestellungen, als auch auf aktuelle Praxis- und Arbeitsfelder ausgerichtet. Begleitet durch medienwissenschaftlich und medienpraktisch erfahrene Professor*innen, die die Bereiche Mediengebrauch, Medienästhetik, Medienkulturgeschichte, Medientheorie und Medienökologie abdecken, werden die Promovierenden anhand konkreter Beispiele von Sensortechnologien, sensorischem Design und technisch-organischen Operationen die Theorie in der Praxis sowie die Praxis in der Theorie untersuchen.

Voraussichtlicher Beginn wird der 01. Juni 2018 sein. Es werden sieben Promotionsstellen sowie eine Postdoc-Stelle für jeweils vier Jahre ausgeschrieben. Für das Projekt arbeiten die Universität Potsdam (Europäische Medienwissenschaft), die Fachhochschule Potsdam (Europäische Medienwissenschaft), die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF (Fachbereich Dramaturgie und Ästhetik audiovisueller Medien) und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (Lehrstuhl für Angewandte Medienwissenschaften) zusammen. Die Promovierenden werden eine zwölfmonatige Praxisphase bei Partnerinstitutionen und -unternehmen durchlaufen. Eine Zusage zur Kooperation haben Art + Com AG, Deutsche Welle, Computerspielemuseum Gamehouse GmbH, Fraunhofer Institut für Nachrichtentechnik, MiriquidiFilm, Böhlau Verlag GmbH, Cornelsen Verlag GmbH, Meetrics GmbH sowie das Museum für Kommunikation Berlin gegeben. Das organisatorische Zentrum und den hochschulübergreifenden Rahmen des Graduiertenkollegs bildet das Brandenburgische Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM), dem als gemeinsame Forschungseinrichtung der Hochschulen des Landes Brandenburg alle am Projekt beteiligten Professor*innen angehören.


Dr. Tobias Conradi als Visiting Professor in die USA eingeladen
Wir freuen uns, dass unser Postdoc-Stipendiat Dr. Tobias Conradi im Zuge eines Max Kade Distinguished Visiting Professorships nach Ohio eingeladen wurde. Seine Gastprofessur an der University of Cincinatti wird er von Januar bis April 2018 antreten. Die Max Kade Foundation existiert seit 1944 und fördert heutzutage speziell den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zwischen den USA und Deutschland sowie Österreich.

Was der Fall ist... – Erstes Buch der ZeM-Reihe erschienen
Die erste Buchpublikation aus der ZeM-Reihe ist im Kadmos-Verlag erschienen: Was der Fall ist... von Winfried Gerling und Fabian Goppelsröder. Was aber ist der Fall? Lässt er sich abbilden, fotografieren? Ist er schlicht unbezweifelbares Faktum, Tatsache, Gewissheit? Oder lässt er als Sturz gerade diese Sicherheiten unsicher und prekär erscheinen.