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Religio Digitalis: Das Unberechenbare im Zeitalter der Berechnung

Einreichungen bis 11. Mai 26

Tagung an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF vom 07. bis 09. Okt. 26

Hinter der scheinbaren Rationalität digitaler Technologien verbergen sich uralte religiöse Denkfiguren. Das Digitale verdrängt Religion nicht, vielmehr aktualisiert es deren Grundstrukturen im medientechnischen Gewand. Die religiösen Grundlagen moderner Ökonomie und des Digitalen wirken zwar weiterhin, werden aber nicht mehr als solche erkannt. Auch in medientheoretischen Beschreibungen des Digitalen finden sich religiöse Denkfiguren zuhauf – etwa wenn von einem genuinen „Entzug“ des Medialen im Prozess des Mediengebrauchs die Rede ist, mit dem Begriff „Medium“ selbst spiritistische Anspielungen in Kauf genommen oder angesprochen werden oder Transsubstantiationsideen ganz selbstverständlich in die Beschreibung digitaler Medien einfließen. Wenn algorithmischen Abläufen und formalen Sprachen im Computer eine genuin „performative“ Dimension unterstellt wird, die nicht mehr wie natürliche Sprachen „bedeuten“, sondern gleich „tun, was sie sagen“, sind Anklänge an die adamitische Sprache des Alten Testaments und kabbalistische Bezüge kaum noch als zufällig zu bezeichnen. Digitalität und Religion sind somit keine Gegensätze, sondern zutiefst miteinander verflochten. Digitale Medien sind – obwohl zumeist als Endpunkt neuzeitlicher Rationalität beschrieben – durchdrungen von theologischen Mustern, Heilsversprechen, Allwissenheitsansprüchen und transzendenten Welten. All dies ist kennzeichnend auch für ältere religiöse Vorstellungen.

Das Digitale ersetzt Glaube und Wissen als Sinnangebot durch Berechnung, Algorithmen, Statistik und prognostische Verfahren, welche jahrtausendealte Divinationstechniken beerben. Wenn durch KI, Algorithmen und Dateninfrastrukturen posthumane Jenseitsvorstellungen aktualisiert werden, wird dem Berechnen eine quasi-demiurgische Rolle zugesprochen. Mediale Infrastrukturen fungieren dabei nicht nur als Erlösungsinstrumente in der Liturgie des Digitalen, sondern sind auch Gegenstand der Verehrung. Die Politik der Deregulierung großer Technologieunternehmen lässt sich zum Beispiel im Zuge dessen als Apologie neuer Regierungstechnologien lesen. Zu dieser digitalen Theokratie zählen Heilsversprechen durch Technologie (Technosolutionismus) und die Heiligsprechung meist männlicher CEOs mit mystizistischer Aura, die – von Peter Thiel über Elon Musk bis Sam Altman – durch ihre Apologet:innen fast täglich in Podcasts, Talkshows und Interviews als archaische Apokalyptiker inszeniert werden. Auch die Protokolle von Plattformen verkörpern eine unsichtbare Autorität und es ist dabei nicht immer einfach zwischen Ideologie und Gerechtigkeit zu unterscheiden. Zwar können wir oft die Effekte, die die Protokolle, Nutzungsbedingungen und Community Guidelines der sozialen Plattformen auf uns haben, beobachten, deren algorithmische Mechanismen aber bleiben wie in einer Blackbox verschlossen. Diese Blackbox ist nicht nur ein wohlgehütetes Geschäftsgeheimnis und damit ein Arkanum, sondern wird auch unantastbar und damit zu einem Sanctum. Es bleibt also weitestgehend unklar, was zu den neuen Ritualordnungen in der digitalen Praxis führt (Scrollen, Liken, Reposten, Prompten etc.).

Bereits in der philosophisch orientierten Medientheorie stehen religiöse Motive im Fokus, etwa bei Norbert Wieners Zukunftsversprechungen der Kybernetik, dem Begriff des Dispositivs, Medien des Heiligen, „heiligen Kanäle“ oder vermittelnde Figuren wie Engel. Dazu kommen wirkmächtige medientheoretische Ansätze mit offen religiösem Bezug von Walter Benjamin über Marshall McLuhan bis zu John Durham Peters und negativen Medientheorien, bei denen Figuren des Entzugs im Zentrum stehen. Gleichzeitig fungieren religiöse Traditionen als eine Art kritischer Erinnerungsdienst und weisen auf das hin, was algorithmische Rationalität nicht erfassen kann: das Inkommensurable, nicht Berechenbare.

Die Religionswissenschaften haben herausgearbeitet, dass „religio“ selbst eine historisch belastete Kategorie ist, die kulturelle Unterschiede verschleiert und westlich-christliche Rahmenbedingungen universalisiert. Wir möchten „religio ohne Religion“ mit dem Digitalen diskutieren. „Religio digitalis“ adressiert zwar sowohl eine religiöse Aufladung des Digitalen als auch Rituale im Digitalen und digitalisierte Varianten bestehender religiöser Rituale. Aber es bezeichnet auch eine Art Kippfigur, die einerseits den westlichen Rationalismus vorantreibt, andererseits aber auch dessen religiöse und metaphysische Vorannahmen verdeckt. Denn die radikale Trennung von Philosophie und Religion ist keine universelle oder gar „natürliche“ Entwicklung, sondern eine spezifisch westliche Ausnahme seit der Aufklärung. Inwiefern also die Digitalisierung eine Fortsetzung der Säkularisierung ist, die die eigenen Normen auf das kulturell Andere überträgt oder andersherum ihrerseits von einem religiösen Denken grundiert ist, möchten wir diskutieren. Dass dabei möglicherweise Formen des Inkommensurablen entstehen, die sich einerseits dem Diktum des Rechnens entziehen und andererseits aus der Verschränkung von Religion und Digitalität emergieren, soll ebenfalls thematisiert werden. Es geht also darum, Praktiken, Konzepte, Protokolle, Formen und Medienästhetiken in den Blick zu nehmen, die im Digitalen etwas Widerständiges wieder sag- und wahrnehmbar machen.

Durch eine Perspektivierung des Digitalen an der Schnittstelle von Medientheorie, Ästhetik und Religionswissenschaft möchten wir Momente des Inkommensurablen adressieren, die die instrumentelle Rationalität unterbrechen, bzw. deren verdeckte Voraussetzungen thematisieren.

Die Tagung hat demnach zunächst drei Themenschwerpunkte:

  • Medienphilosophie und Religion
  • Protokolle zwischen Ideologie und Gerechtigkeit
  • Kunst und Medien der Unberechenbarkeit

Vorschläge für weitere Schwerpunkte erarbeitet das Organisationsteam auf Basis der Einreichungen, nimmt aber auch gerne Vorschläge für weitere Schwerpunkte entgegen.

Bitte geben Sie bei der Einreichung an, in welchem Format Sie präsentieren möchten:

  • Vortrag (ca. 20-30 Minuten in einem 60-minütigen Zeitfenster)
  • Kurzpräsentationen (bis zu drei Kurzpräsentationen von ca. 5 Minuten in einem 60-minütigen Zeitfenster)
  • Panel (3 Teilnehmende, ca. 10 Minuten pro Präsentation in einem 60-minütigen Zeitfenster). Im Falle eines Panels kontaktieren Sie bitte vorab das Organisationsteam.

Bitte reichen Sie bis zum 11. Mai 2026 ein Abstract (ca. 150 Wörter; beim Panel 450–500 Wörter) und eine Kurzbiografie ein (ca. 150 Wörter). Nutzen Sie dafür bitte das folgende Formular:

https://formulare.filmuniversitaet.de/formular/3z8-y9N-aVI

Die Tagung ist die dritte Veranstaltung einer dreiteiligen Serie zum Thema „Wozu (heute) noch Medienphilosophie?“ und fragt nach der Zukunft der Medienphilosophie, neuen Konzepten, Praktiken und Perspektiven. Wie lässt sich das Inkommensurable medienphilosophisch beschreiben? Wir laden dazu ein, spekulative und experimentelle Ansätze zu erproben.

Die Tagung wird vom 07.–09. Oktober 2026 an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF stattfinden und ist eine Kooperation zwischen der AG Medienphilosophie mit dem Media Lab für digitale Souveränität, dem Institut für künstlerische Forschung der Filmuniversität und dem ZeM – Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften.

Organisationsteam:

Dr. Johannes Bennke (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF)

Prof. Dr. Markus Rautzenberg (Folkwang Universität der Künste Essen)

Prof. Dr. Mirjam Schaub (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)

Dr. Juliane Schiffers (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF)

Dr. Michael Ufer (ZeM)

Kontakt / Anfahrt

ZeM – Brandenburgisches Zentrum
für Medienwissenschaften

Hermann-Elflein-Str. 18
14467 Potsdam

Ansprechpartner*innen in der Geschäftsstelle

Dr. Michael Ufer

Telefon +49(0)3 31 / 81 32 81-68

Saskia Jaretzke

Telefon +49(0)3 31 / 81 32 81-70

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